Rueckweg 2. Etappe
22. Oktober 2008Zurueck im Berufsalltag, hatten wir wieder so viel um die Ohren, dass wir erst jetzt dazu kommen, ueber Aphrodites Heimreise zur Teerhofinsel in Luebeck zu schreiben. Wir konnten Ende Juli 2 Wochen Urlaub nehmen. Daniel fand mit Muehe im Internet einen Trailer-Verleih mit Trailern fuer Boote bis 3,5 Tonnen und 1,6 m Tiefgang. Noch schwieriger war es, ein entsprechendes Zugfahrzeug zu mieten, denn wohlweislich haben die meisten Vermieter keine Fahrzeuge mit Anhaengerkupplung im Programm. Daniel machte einen Jeep Cherokee ausfindig. Jeep und Trailer waren beide aus dem Koelner Raum. Wir holten sie dort an einem Freitag abend ab und fuhren non-stop nach Cadiz. Das dauerte ca. 33 Stunden. In Sevilla fragte Daniel, ob wir eigentlich den Schluessel fuer Aphrodite dabei haetten. Ups, hatten wir nicht… Samstag Abend kamen wir in Cadiz an und steckten prompt in der Altstadt von Santa Maria in einem Stadtfest fest. Eva musste die Leute auf der Gegenspur bitten, ein bisschen zurueckzufahren, damit wir mit dem Gespann um die engen Ecken kamen. Eins war klar - wir mussten mit Aphrodite auf dem Haenger einen anderen Weg aus der Stadt heraus finden! Der Versuch, die Marineros zu ueberreden, Aphrodite am Sonntag zu kranen, scheiterte. So verbrachten wir einen Tag am Strand bei blauem Himmel und ziemlicher Hitze. Damit hatten wir nicht gerechnet und leider keine Badesachen dabei. Aber es tat uns auch so gut, endlich wieder in Spanien! Morgens goennten wir uns den typischen Cafe con leche, abends sassen wir mit einem Wein auf der Hafenmauer.
Am Montag mussten wir Aphrodite aufbrechen, nuetzte ja nichts. Im Boot erwartete uns eine kleine Ueberraschung. Im Kuehlschrank und einem Schapp waren einige Weissblech-Getraenkedosen geplatzt und ca. 5 Liter suesslich-faulige Bruehe waren das Ergebnis. Weissblechdosen sind nix fuer Langfahrt in heissen Gegenden. Das hatten wir schon von Freunden gehoert, die erzaehlten, dass sie an einem leisen Zischen aus der Bilge davon informiert wurden, dass ihre Dosen nicht mehr in Topform waren. Wir legten mit Hilfe eines Kranes schnell den Mast, dann kam der Travellift um Aphrodite auf den Trailer zu setzten. Das ging dann nicht mehr so einfach wie gedacht. Aphrodites Rumpf ist so schlank und hoch, dass die Stuetzen des Trailers zu kurz waren. Wir mussten die Stuetzen mehr in die Mitte umbauen, was einiges an Schrauberei bedeutete. Wir haben etwa 3 Stunden herumgefrickelt, bis alles passte.
Die Spanier waren super nett, machten keinen Druck, weil wir ja so lange den Travellift besetzten, sondern halfen mit Werkzeug aus und schraubten mit. Wir witterten schon die Siesta, aber auch die liess man fuer uns ausfallen, so dass Aphrodite am Nachmittag schliesslich gut auf dem Trailer stand. Wir duschten im Yachthafen und dann nichts wie los. Schon nach den ersten paar hundert Metern mussten wir aber anhalten. Durch das Losfahren hatte sich Aphrodite ein bisschen mehr nach vorne bewegt und die Gurte mussten nachgezogen werden, ausserdem war die linke hintere Stuetze etwas heruntergekommen und musste wieder festgezogen werden. Ohje, wir fuehlten uns ganz schoen mulmig und waren noch nicht ueberzeugt, dass wir problemlos 3000 km mit dem Gespann nach Luebeck kommen wuerden. Nun mussten wir uns aber erstmal zur Autobahn duchschlagen ohne wieder in der engen Altstadt zu versacken. Der Jeep hatte ein Navi und wir hofften, durch die groesseren Strassen gefuehrt zu werden. Pustekuchen….es ging wieder mitten in die Altstadt hinein. Wir konnten nicht abbiegen, alles zu eng(15,5m Gespannlaenge), und fuhren einfach geradeaus weiter, dort sollten die Strassen laut Stadtplan groesser werden. Erstmal aber ging es eine enge steile Kopfsteinpflasterstrasse hoch, die so eng war, dass jemand noch seinen geparkten Roller fuer uns aus dem Weg raeumen musste. Zu unserem Schrecken hatte die Strasse oben Absperrungen, so dass wir nicht auf die groessere Strasse durchfahren konnten. Ohje, was jetzt?! Eva stieg aus und begutachtete die Strasse, die nach rechts abbog, derweil wartete hinter uns schon eine mittelgrosse Autoschlange. Die Strasse nach rechts war gerade breit genug fuer uns und muendete in die groessere Strasse, die wir dann erleichtert erreichten. Auf dem weiteren Weg beaeugten wir immer wieder misstrauisch Aphrodites Bug, der hinter uns aufragte. Die linke hintere Stuetze musste etwa alle 200 km nachgezogen werden, aber ansonsten war alles fest. So richtig entspannt waren wir auf der ganzen Fahrt nicht. Vor allem die Berge herunter nach San Sebastian waren noch eine Zitterpartie, ausserdem zuckten wir bei jedem Schlagloch innerlich zusammen. Die Fahrt durch den Autobahnen-Dschungel von Paris fanden wir ziemlich aufregend - wer faehrt sein Segelboot schon am Eiffelturm spazieren?! Nach fast 50 Stunden Non-Stop-Fahrt (abgesehen von Pinkel-und Tankstopps) erreichten wir erleichtert die Teerhofinsel in Luebeck, von der wir vor ueber einem Jahr mit Aphrodite aufgebrochen waren.
Seitdem hatten wir schon wieder einige schoene Segeltage auf der Luebecker Bucht - es fuehlt sich gut an, unsere “Kurze” wieder zu Hause zu haben!
Hiermit endet unser Logbuch fuers erste. Wir hoffen ab 2010 ueber die ersten kleinen Toerns mit MS Venga berrichten zu koennen. Bis dahin freuen wir uns durch die Logbuecher unserer Freunde auf Langfahrt auch zu Hause ein wenig unterwegs zu sein.
Eva&Daniel SY Aphrodite




























